Der Garten

Alles begann an einem Frühjahrsmorgen im Mai 2003. Ich schaute aus dem Fenster meiner Wohnung im 7. Stock und sah auf die von Brennesseln und Winde überwucherte Fläche am gegenüberliegenden Bezirksamtsgebäude. „Das ist doch eine Schande“, ging‘s mir durch den Sinn. „Wie gerne würde ich dort Blumen pflanzen!“ Kurzentschlossen holte ich mir beim damaligen Gartenbauamt die Genehmigung dafür und legte los. Es dauerte gar nicht lange, da kamen Kinder aus den Häusern rundum. „Was machst Du denn da? Wir wollen mitmachen!“ So habe ich unter Mithilfe von ca. 10 vier- bis neunjährigen Kindern diesen jetzt so beliebten Garten begonnen. Das war ein fröhliches Treiben: die Jungs konnten sich mit Hacke und Spaten austoben und gingen mit Feuereifer ans Werk, während die Mädchen eher die „Feinarbeiten“ machten.

Sobald eine kleine Sandfläche unkrautfrei war, wurde entweder ein erstes Blümlein gepflanzt (ich zeigte jedem Kind, wie man das macht, und das Kind tat es ganz vorsichtig und fast ehrfurchtsvoll) oder sie legten aus Steinen, die sie gesammelt hatten, die tollsten Muster in den Sand. Einige Mädchen waren von der Gartenarbeit so begeistert, daß ich ihnen zwei eigene kleine Beete innerhalb des Gartens zum Bearbeiten gab, wo sie u.a. lernten, wieviel Geduld es braucht, ehe aus einem Samenkorn eine blühende Blume wird.

Ganz spontan war auch der Name für den Garten gefunden: „DER KLEINE GARTEN KUNTERBUNT“ –

Ich bemalte eine große Steinplatte, die eine Mutter mit ihrem starken Sohn rangeschleppt hatte, mit Namen und Verzierungen, und jeder Helfer/Helferin der „ersten Stunde“ schrieb mit ihrer/seiner Lieblingsfarbe ihren/seinen Namen darunter. Nach und nach nahm die nun urbar gemachte Fläche Gestalt und Farbe an und machte dem Namen „Kunterbunt“ alle Ehre – zur Freude und zum Staunen der Anwohner und Besucher. Da ich von der Behörde keine Bank im Garten genehmigt bekam, ergriffen eine resolute Rollstuhlfahrerin und ihr praktisch begabter Mann die Initiative und zimmerten und montierten eine kleine Zweisitzerbank, die auch sofort von Diana begeistert ausprobiert wurde. Es war mehr und mehr zu sehen und zu spüren, daß diese Blumenanlage positive Auswirkungen auf Lebensgefühl und Miteinander der Hochhausbewohner hatte.

Doch nach knapp 1 Jahr zogen dunkle Wolken auf: Das Gartenbauamt verkündete das „Aus“ für den Garten!!!

Es hätte sich bei meiner „Genehmigung“ um einen Probelauf gehandelt, der wegen „des unerträglichen Durcheinanders der Pflanzung“ gescheitert ist, hieß es von der Leitung des GBA. Ich war fassungslos – zum Glück viele andere auch! Der Kampf um die Erhaltung der inzwischen sehr geschätzten und beliebten Oase mitten in der Großstadt dauerte 1 ¼ Jahre. Alle Medien schalteten sich ein, ein „Runder Tisch“ der Parteien wurde gebildet, es gab Protestaktionen und -briefe. Ich war von den „Verhören“ und Rückschlägen nervlich am Ende. Die letzte Etappe fochten die Sympathisanten des Gartens ohne mich aus – und siegten!!! Im August 2004 bekam ich Grünes Licht aus der oberen Etage und bleibe nun die „Hüterin der grünen Oase“ – solange meine Kräfte reichen. Das war vor 10 Jahren. Es war meines Wissens die erste Aktion aktiven Widerstands gegenüber einer scheinbar allmächtigen Behörde, die verstaubte Gesetze höher ansiedelt als elementare Bedürfnisse von Menschen. Es ist und war seit langem „Lebensnot-wendig“ endlich wieder eine fühlbare Verbindung zur Natur und zu Mutter Erde zu bekommen, bzw. ermöglicht zu kriegen.

Es ist gelungen!!! Die jetzige Generation hat „ES“ für sich durchgesetzt!

Welche Auswirkungen dieser idyllische Grindel-Garten außerdem hat, schreibe ich in einem nächsten Bericht.